Immer wieder höre ich: "Mein Hund muss lernen mit Frust umzugehen!"
Gemeint ist damit meist, dass der Mensch seinen Hund die Situation aushalten lässt, winseln und jammern übergeht oder
ignoriert. Weil: Da muss er durch, der soll sich nicht so anstellen... Und vielleicht schimpft der Mensch sogar noch mit dem von seinen Emotionen überlasteten Hund
😞
Schauen wir aber mal genauer hin: Frust ist ein unangenehmes Gefühl, das wissen wir alle. Nur haben wir Zweibeiner
verschiedene Möglichkeiten und Methoden, wie wir mit Frust umgehen können. Weil wir das gelernt haben, weil wir Entscheidungsfreiheit haben, weil wir Alternativen kennen, weil wir reflektieren
können...
Vieles davon können unsere Hunde jedoch nicht. Sie sind der frustrierenden Situation ausgesetzt, und der Frust wächst...
oft bis die Emotionen aus dem Hund "rausplatzen"...
Nehmen wir ein Beispiel aus der Menschenwelt. Jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit stehst du eineinhalb Stunden im Stau.
Das ist doch einfach nur Scheisse! Das erste Mal, bist du frustriert, wenn du im Stau steckst. Nach ein paar Tagen mit Stau, fühlst du dich schon genervt, wenn du zuhause ins Auto steigst - denn
du weisst genau: Bald stehst du wieder stuuuundenlang... Der Frust wird nicht kleiner - im Gegenteil. Er baut sich auf, und er "dehnt sich aus". Irgendwann bist du schon beim Aufstehen
frustriert... und bald vielleicht schon am Vorabend...
Was gegen den Frust hilft? Jeden Tag im Stau zu stehen ist sicher nicht die Lösung - das steht fest. Denn sonst würde
sich der Frust ja abbauen - und dir wäre es irgendwann egal, dass du 90 Minuten im Stau stehst... Also, wie was kannst du tun, um mit der Frustration umzugehen? Du suchst Alternativen. So kannst
du z.B.
- eine andere Strecke wählen, die staufrei ist
- ein spannendes Hörbuch besorgen und es dir im Stau anhören
- den Zug zur Arbeit nehmen
- deine Arbeitszeiten versetzen (früher oder später starten und so die Rush Hour umgehen)
- ...
Durch Alternativen kannst du den Frust vermeiden - und die Strecke zur Arbeit wird nicht zu einem nervenraubenden
Tagespunkt. Und solltest du doch mal wieder im Stau stehen müssen - dann ist das zwar doof, aber nicht halb so frustrierend, wie wenn es täglich so wäre...
Genau so geht es unseren Hunden: Sie lernen mit Frustration umzugehen, indem sie Alternativen kriegen. Wenn sie die
Erfahrung machen, dass sie andere Möglichkeiten haben, andere Angebote kriegen, andere Emotionen erfahren dürfen, baut sich die Frustration nicht/weniger auf.
Nein, es ist nicht immer einfach, eine passende Alternative zu finden, um dem Hund die Frustration zu ersparen. Aber
hei, genau das macht doch Spass, oder? Kreativ sein, Ideen entwickeln, mit dem Hund gemeinsame Erfahrungen sammeln - und damit deinem Pfotenkind helfen, sich in der Welt zurecht zu finden
💪🏼
Wie sieht es mit dir aus? Frustet ihr noch - oder habt ihr schon Alternativen?