Wer einem Hund ein Zuhause bietet, stellt sich das häufig sehr harmonisch vor: Gemeinsame Spaziergänge, friedlich
nebeneinander unterwegs, die Seele baumeln lassen...
Nur ist die Realität manchmal anders... Gerade wenn man einen Hund hat, der Mühe hat, seine Emotionen zu
verarbeiten.
So hatten wir heute mit Amira einen richtig stressigen Spaziergang. Meine tolle Nachbarin, die mich meistens sonntags
auf unseren grossen Spaziergang begleitet, die drei Hunde und ich wollten einen Spaziergang im Wauwiler Moos machen.
Schon der Start war schwierig, weil zeitgleich jemand auf den Parkplatz gefahren kam und sich von weiter hinten zwei
Menschen mit Hund näherten. Das wäre an und für sich nicht so schlimm gewesen, hätten wir zügig losgehen können, nur musste Zito gleich auf den ersten hundert Metern zweimal und Amira einmal
koten. Was dazu führte, dass wir warten mussten, ich Zeit brauchte um aufzulesen... und damit der Abstand zwischen den fremden Hunden und uns (zu) klein für Amira wurde. Weshalb sie schon auf den
ersten 100 Metern auslösen musste.
Zum Glück konnten wir dann zügig weiter gehen und so etwas Entspannung in den Spaziergang bringen. Doch hatte ich die
Dichte von Menschen zu Fuss (mit und ohne Hund), auf dem Fahrrad, zu Pferd, joggend usw. unterschätzt. Bei dem Wetter - so hatte ich gedacht - wären nicht so viele Menschen unterwegs. Falsch
gedacht. Wir kreuzten unglaublich viele Menschen und Amira machte es richtig gut, bis eine Ente
🦆 fand, es sei genau jetzt der richtige
Zeitpunkt fünf Meter von uns auf der anderen Bachseite ein bisschen rumzuwatscheln
🙄.
Beim Pudelmädchen führte dies zu einer wahren Explosion. Sie hing kreischend in der Leine, konnte sich kaum beruhigen
und war zuerst mal überhaupt nicht mehr ansprechbar. Mit Abstand, viel Ruhe, Training und Geduld, konnte ich ihr Stresslevel wieder deutlich senken und sie schaffte es sogar, mir freiwillig ein
"Fuss" anzubieten
🥰 Doch damit hatten wir das Amira-Fässchen
gefüllt bzw. zum Überlaufen gebracht...
Leider war das Auto doch noch mindestens 20 Minuten zügigen Fussmarsch von uns weg - und wir begegneten noch
galoppierenden Pferden, Hunden, Joggern, Radfahrern... Und trotz Abstand konnte sich Amira bei den Hunden kaum mehr beherrschen: Sie stand jedes Mal früher oder später kreischend in der
Leine.
Warum ich das hier schreibe? Weil auch das eine Realität im Leben mit Hunden ist. Nicht immer ist alles perfekt. Und
Amira hat sich sooooo angestrengt, hat sich so oft wieder mit meiner Hilfe beruhigt, sie war (bis auf die Ente) immer ansprechbar - aber heute war es einfach zu viel: Zu viele Menschen, zu viel
Aufregung, zu viele Bewegungsreize, zu viel von allem.
Natürlich kann man einen Hund, der sich benimmt wie Amira es heute getan hat, "korrigieren". Damit würde ich Amira aber
nicht die Angst vor Hunden nehmen, nicht den Frust, nicht die Aufregung... Im Gegenteil: ICH würde ihr Angst machen, ihr Vertrauen in mich erschüttern und sie noch mehr unter Druck setzen, als
sie sich sowieso schon fühlte. Ausserdem wären die Situationen noch unangenehmer geworden, als sie es schon waren: Für sie, weil ich dann zusätzlich doof würde, für mich, weil ich danach ein
schlechtes Gewissen gehabt hätte. Meinen Frust an meinem Hund auszulassen hilft niemandem. Am allerwenigsten dem Hund...
Was ich stattdessen gemacht habe? Ich bin ruhig geblieben, habe ihr, so gut es gerade ging durch die Situationen
geholfen, habe sie gehalten, wenn sie es brauchte, ihr Pausen gegönnt und ihr nie das Gefühl vermittelt, dass ich sie doof finde.
Ihr Verhalten war anstrengend für mich, ja, auf jeden Fall. Aber es nützt nichts, ihr Verhalten persönlich zu nehmen.
Denn sie hat nur deshalb so heftig reagiert, weil sie überfordert war.
Heute hätte ich einiges besser machen können: Ich habe zweimal die Situation falsch eingeschätzt und deshalb Amira zu
wenig Abstand geboten. Ich habe nicht mit so vielen Menschen und Reizen gerechnet.
Trotzdem bin ich stolz auf mich: Denn ich bin ruhig geblieben und habe Amira nicht zusätzlichen Stress
gemacht.
Und danach? Danach brauchte ich erst Mal eine kleine Pause. Zuhause habe ich mir ein feines Frühstück gegönnt - und hab
mich anschliessend mit Amira, Zito und Tessa aufs Sofa gelegt. An mich gekuschelt hat Amira dann zwei Stunden tiiiief geschlafen. Ihr kleiner Körper konnte entspannen und sie konnte zur Ruhe
kommen. Und kuscheln mit der Maus hat uns beiden gut getan - mir und ihr
💖
Und statt der geplanten gemeinsamen Joggingrunde haben wir am Abend zuhause etwas Kopfarbeit gemacht - für heute braucht
es ganz sicher keine grossartigen Reize mehr...